Virtualität und Kosmos

 

 

 

 

 

Antonia Freisburgers Malereien gleichen fluiden Aggregatszuständen, angefüllt mit teils biomorphen, teils geometrisierenden abstrakten Formen, die in einem kontinuierlichen Übergang und Austausch zueinander stehen.

 

 

 

Die gestalterischen Elemente, welche die Künstlerin in einem durch Intuition und Spontaneität gesteuerten Prozess entwickelt, setzen an der Schnittstelle von Natur und Konstruktion, Geometrie und Vitalität an und steuern als ambivalente Metaphern durch eine sowohl fruchtbar als auch artifiziell empfundene (Un-)wirklichkeit, in der kein Unterschied zwischen Beseeltem und Unbeseeltem mehr möglich ist.

 

 

 

Dabei entstehen Bildwelten, welche die Beschäftigung der Künstlerin mit Kosmologie, Astrophysik und Quantenforschung bezeugen sowie ihrer Faszination für Dimensionen, welche die menschliche Erkenntnisfähigkeit – im Großen wie im Kleinen – übersteigen, geschuldet sind.

 

Diese Frage, inwieweit sich letztere ausdehnen, strapazieren und übersteigen lässt, spielt dementsprechend ebenso in Freisburgers konkreten Formfindungsprozessen eine Rolle, sind diese doch innovativ und traditionell, befremdlich und vertraut zugleich.

 

Die biomorphen Elemente erinnern daher mitunter an die wandernden Figurationen des abstrakten Surrealismus, stellen jedoch die Frage nach der Grenze zwischen Realem und Imaginären völlig neu.

 

 

 

Des weiteren dient die Verwendung von Ornamenten und Mustern, welche kontinuierlich fortgeführt, abrupt unterbrochen und in zahlreichen Splittern und Fragmenten wiederholt und gespiegelt werden, dazu, eine ganz spezifische Auffassung von Materialität zu erzeugen, in der Flächigkeit und Plastizität aufgehoben sind.

 

Die entsprechenden Räume obliegen daher nicht den vertrauten Parametern der Physik und sind keinem absoluten, objektivierbaren Raum unterzuordnen. Stattdessen handelt es sich um fluktuierende, instabile Raumdispositionen, die in ihren Faltungen und Schachtelungen jeglicher Gravitationskraft entbehren und eine halluzinatorische, dematerialisierende Wirkung erzeugen, die auf den Körper des Betrachters übergreift, ihm förmlich den Boden unter den Füßen wegzieht und mit durchaus traditionellen, bildimmanenten Mitteln die Frage nach Visualität - und Vision - erneut stellt:

 

 

 

Freisburgers Arbeiten wohnt eine immersive Kraft inne und sie bedient sich derjenigen Illusions- und Simulationstechniken, die ein zutiefst körperliches Empfinden von Körperlosigkeit nach sich führen. Dieselben fließenden Raumerfahrungen spielen in der Diskussion der Virtual Reality in der man, vermeintlich(?), von seiner eigenen Leiblichkeit entkoppelt in eine bewegliche, metaphorische und metamorphische Welt eintaucht, eine Rolle.

 

 

 

Wenn in jeder kulturellen Epoche die Grenzen zwischen Realität und Imagination neu gezogen werden, so wird hier die Besiedelung des virtuellen Raums zusammengeschlossen mit der Besiedelung des Weltraums und das Territorium des wissenschaftlich Sagbaren mit dem, was sich künstlerisch artikulieren und erleben lässt.

 

 

 

 

 

Melissa Blau